Winterzeit ist Trockenzeit

So langsam werden die Tage kürzer, es wird kälter die Heizungen angeworfen oder der Kamin wird zum ersten Mal angefeuert und wir stellen und stimmen uns auf die kalte Jahreszeit ein.

So romantisch dies auch klingen mag: leider leiden unter diesen Bedingungen unsere Instrumente!

Mit dem Anfang der Heizperiode trocknet die Luft auf bis zu einen Wert von ca. 20% aus, was zu teilweise irreparablen Schäden an einer Gitarre führen kann.

Durch die zu trockene Luft schrumpft das Instrument in der Längs- und Querachse und besonders Akustische Gitarren haben das Problem, dass sich die Decke der Gitarre “verzieht” und es zu Rissbildung in der Decke bzw. den Zargen und dem Boden kommen kann.

Die Verbalkung (Bracing) löst sich und dadurch verliert die Decke ihre Stabilität, die Balken scheppern und alles wird nur schlimmer. Der Lack bekommt Risse und die Saitenlage ist so hoch, dass man mit einem Lastwagen unter den Saiten durchfahren kann. Die Bünde kommen an den Griffbretträndern “heraus” u.s.w.

Durch den Saitenzug herrschen grosse Kräfte auf eine Gitarrendecke ein und typisch für eine zu trockene Gitarre ist das folgende Bild:

Copyright: Manis Guitar Shop GmbH-2011

Die rot gestrichelte Linie zeigt (in etwas übertriebener Form) die Wölbung einer zu trockenen Decke wie sie bei unsachgemässer Lagerung durchaus entstehen kann.

Vor dem Steg herrscht eine Belastung auf Kompression, d.h. die Holzfasern werden in Längsrichtung “gestaucht” und hinter dem Steg ist Belastung auf Expansion (Dehnung) vorhanden. Dies resultiert in einer unnatürlichen Wölbung der Decke und dadurch entstehen Risse bzw. die Verbalkung (Bracing) löst sich.

Was kann ich dagegen tun?

Es gibt total einfache Lösungen:

1. in dem Raum in dem ihr die Gitarre lagert (egal ob im Case oder im Gitarrenständer) einfach einen Luftbefeuchter aufstellen. Ich habe die besten Erfahrungen mit Verdampfern gemacht, denn die bringen (im Gegensatz zu Verdunstern oder Verneblern) relativ schnell und eine konstante Luftfeuchtigkeit in den Raum.

2. ihr benutzt spezielle Humidifier für Gitarren wie sie z.B. bei uns im Manis Guitar Shop für Fr. 25.- erhältlich sind. Diese werden in das Schalloch der Gitarre eingesetzt und das Case wird geschlossen. Somit herrscht im Case für drei bis fünf Tage ein Mikroklima von 50%-60% Luftfeuchtigkeit.

3. ihr lagert die Gitarre nicht in der Nähe von Heizkörpern oder Kaminen/Öfen und bei Bodenheizungen auf dem Boden.

4. ihr kontrolliert regelmässig den Zustand der Decke, des Halses und der Bünde.

Grundsätzlich gilt dies für alle Arten von Instrumenten. Egal ob Blockflöte, E-Gitarre, Mandoline, Harfe oder was auch immer.

Wenn ihr in Zukunft auf diese vier Punkte der Gitarrenpflege während der Wintermonate befolgt, werden euch eure schönen Schätzchen dankbar sein und ihr werdet auch weiterhin viele Jahre Freude an euren Instrumenten haben.

Viel Spass.

Euer Mani

Thomas | 6. November 2011

Hi Mani

Danke für den guten, Saison gerechten Post.

Hast du bei den Verdampfern einen Tipp? Gibt es da spezielle Unterschiede (z.B. Mit integrietem Hygrometer und automatischer An-/Abschaltfunktion etc.)?

Wie schlimm ist die Lagerung aufrecht im Case mit Humidifier in einem Raum mit Bodenheizung – ohne Luftbefeuchter?

Gruss

admin | 6. November 2011

Hoi Thomas

Vielen Dank für deinen Kommentar zu diesem sehr wichtigen Thema in der Heizsaison.

Ja. ich kann die Verdampfer von MElectronic (Migros) oder vom COOP sehr empfehlen. Die sind günstig und einfach zu Bedienen.

der einzige Nachteil ist, dass die Verdampfer deutlich mehr Energie verbrauchen als z.B. Verdunster aber dafür sind sie effizienter.

Auf keinen Fall empfehlen würde ich Ultraschall-Vernebler! Diese Geräte vernebeln das Wasser auf mechanische Weise und somit auch den im Wasser enthaltenen Kalk und andere Mineralstoffe.

Bei der Benutzung solcher Geräte entsteht auf den Instrumenten eine weisse Schicht Kalk und Salz, die sich in alle Poren und Ritzen hineinsaugt und es dann mühsam ist das Instrument zu Reinigen.
Also: Finger weg von Verneblern!

Ein Hygrostat ist natürlich notwendig um die relative Feuchtigkeit zu kontrollieren – am besten zwei bis drei Mal täglich.
Die gibts auch in der Migros oder im COOP oder in einem Fachgeschäft für wenige Franken.

Eine Automatische Überwachung ist zwar sehr bequem aber nicht zwingend notwendig.

Grundsätzlich sind Bodenheizungen das Todesurteil für akustische Instrumente – wenn man nicht befeuchtet!!!!
Bitte darauf Acht geben!

In diesem Fall würde ich, zusätzlich zum Luftbefeuchter im Raum, noch im Case einen Humidifier (wie man ihn bei uns online oder im Laden für Fr. 25.- kaufen kann) installieren.
So kann wirklich nichts mehr passieren.

ich hoffe Dir geholfen zu haben.

Liebes Grüssle,
Mani

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